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Stellar Blade bricht PC-Rekord: Noch nie war Mittelmaß so begehrt

 

Stellar Blade bricht PC-Rekord: Noch nie war Mittelmaß so begehrt

Ich ziehe meinen Hut

Von allen Spielen, die es auf der Welt gibt, muss ich besonders oft über einen Titel nachdenken. Nicht, weil er so herausragend gut ist, sondern weil er spielerisch bestenfalls Mittelmaß erreicht und trotzdem so viele Leute in absolute Begeisterung verfallen, wenn sie davon sprechen. Die Rede ist nicht etwa von Pokémon, das sich vor allem hält, weil Spieler*innen aus reiner Nostalgie nicht von der Marke loskommen, die immer fauler wird – und es geht auch nicht um ein anderes Nintendo-Spiel (böse Zungen würden behaupten, dass meine obige Beschreibung auch auf Mario Kart zutreffen würde). Stattdessen spreche ich von Stellar Blade aus dem Hause Sony.

Direkt vorab will ich klarstellen, dass es mir nicht darum geht, das Spiel allgemein schlechtzureden. Stellar Blade hat inzwischen nämlich auch ein paar Branchenstandards gesetzt, die mich sehr beeindrucken. Gleichzeitig halte ich das Spiel als Gesamtwerk aber nicht für gut genug, als dass der Hype und die positive Resonanz gerechtfertigt wären. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Dabei spreche ich davon, wie unfassbar erfolgreich der PC-Port von Stellar Blade läuft. Mit 180 000 gleichzeitigen Spieler*innen bricht das Action-Adventure jeden Rekord, den ein Sony-Port bis jetzt aufgestellt hat. Ungefähr doppelt so viele Leute spielen Stellar Blade auf dem PC, wie zu seiner Zeit Ghost of Tsushima auf Steam angeschmissen wurde.

Und ich bin der festen Überzeugung, dass es sich bei Ghost of Tsushima um das bessere Spiel handelt. Immerhin ist Stellar Blade vergleichsweise einförmig in seinem Gameplay, die Welt ist nicht sonderlich abwechslungsreich oder interessant gestaltet, abgesehen vom Haupt- und einigen Nebencharakteren sieht Stellar Blade nicht einmal besonders gut aus und sogar der Soundtrack ist größtenteils von NieR: Automata abgekupfert. Sicherlich: Gut geklaut ist besser als schlecht selbst gemacht … Aber diesen wahnsinnigen Erfolg hat Stellar Blade nicht aufgrund des immensen Spielspaßes verdient, den es nun einmal nicht gegenüber Genrekonkurrenten mit sich bringt.

Was Stellar Blade so irrsinnig erfolgreich macht, ist die spezielle Zielgruppe, die es anspricht

Was Stellar Blade so irrsinnig erfolgreich macht, ist die spezielle Zielgruppe, die es anspricht: Horny Boys. Ich benutze den Anglizismus an dieser Stelle, weil er nicht so abwertend klingt, wie wenn ich von „spitzen Buben“ sprechen würde. Denn dass Stellar Blade so beliebt ist, liegt daran, dass die in der Protagonistin Eve ein durch und durch sexualisiertes Lustobjekt darstellt – allgemein ist das erst einmal kein Problem.

Ich persönlich bin gar kein Freund davon, dass Frauen in Videospielen übermäßig sexualisiert dargestellt werden, da ich die Gefahren von Spill-Over-Effekten wahrnehme. Soll heißen, dass ich befürchte, dass die übersexuelle Darstellung von Frauen in Spielen dafür sorgt, dass man auch echte Frauen schneller objektiviert. Entsprechend habe ich einige Artikel im Zuge der Veröffentlichung von Stellar Blade geschrieben, in denen ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Doch während ich mich am Anfang noch darüber aufregte, dass der Entwicklerchef davon sprach, dass es angeblich mutig sei, Frauen in Spielen „sexy“ zu machen (eine wirklich lächerliche und, mit Verlaub, hohle Aussage), habe ich relativ schnell festgestellt, dass Stellar Blade und das Marketing drumherum komplett aus Rage-Bait besteht. Also darin, Leute gegen sich aufzubringen und ausgehend von der Wut Profit zu schlagen, weil jeder darüber redet. Und das hat das Entwicklerteam mit einer Bravour hinbekommen, vor der ich eigentlich nur meinen Hut ziehen kann. Nicht nur haben Leute wie ich sich über Stellar Blade aufgeregt – auf der anderen Seite der Diskussion haben Leute, die voll hinter dem Konzept stehen, mehr als eine Edition gekauft, um die jeweilige Sache zu unterstützen.

Seitdem haben alle Updates, die ich mitbekommen habe, immer mit dem Objekt Frauenkörper und seiner Attraktivität in Verbindung gestanden. Ob das nun der „Nacktanzug“ war, in dem Eve zumindest so aussieht, als ob sie ohne Kleidung durch die Gegend stapft, oder die Updates in der Engine. Letztere sind dann auch der Grund, warum ich das Entwicklerstudio inzwischen respektiere. So haben sie einige Arbeit reingesteckt, um dafür zu sorgen, dass Textilien im Wind wirklich realistisch flattern. Natürlich, um dafür zu sorgen, dass korrespondierende Kleidungsstücke auch maßgebliche Körperstellen freilegen, wenn Eve durch ein windiges Gebiet läuft.

Und weiterhin hat das Team hinter Stellar Blade viel Zeit in die Wackel-Physik der Brüste von Eve gesteckt – was sich wirklich gelohnt hat, denn so einfach sind entsprechende Wellenbewegungen von weichem Gewebe nicht zu programmieren.

Stellar Blade ist nicht so erfolgreich, weil es so ein tolles Spiel ist

Das will heißen, dass ich erstaunt bin, wie viel Fortschritt im Hinblick auf Videospielen möglich ist, wenn nur genügend Motivation da ist. Und wenn die Motivation nur dadurch maximiert wird, dass Gamer sich aktivistisch hinter einen interaktiven Soft-Porno stellen, dann will ich den entsprechenden Fortschritt nicht aufhalten. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, was da eigentlich passiert und dass Stellar Blade nicht deswegen so erfolgreich ist, weil es spielerisch so toll ist und echte Gamer anspricht. Sondern, weil es für seine Zielgruppe zu einem politischen Symbol avanciert hat und für den Rest vor allem als witzige Anekdote, die über die Jahre aber wohl immer mehr an Reiz verlieren wird. Und irgendwann, wenn der Aufreger weg und das Spiel in die Jahre gekommen, wird sich kaum noch einer daran erinnern. Denn so viel Wirbel wie auch um Stellar Blade existiert – ich bleibe bei meiner anfänglichen Aussage – es ist ein Spiel, das einfach nicht über Mittelmaß hinausgeht.

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Abdulloh

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